Wir haben den LADA Vesta ergattern können. Dieses Modell hat mich schon immer sehr interessiert. Ich hatte früher einen 1200er Schiguli, ein tolles kleines Auto. Ich bin auch einen 1600er Lada gefahren, der war so gut. Ich kann nur sagen, dass die Qualität der Autos in den letzten 20 Jahren meiner Erinnerung nach deutlich zugenommen hat. Aus der modernen LADA-Geschichte habe ich letztes Jahr den Granta ausprobiert. Zwar ließ er in puncto Verarbeitung noch zu wünschen übrig, und auch das Design war nicht auf dem allerhöchsten Niveau. Sein Motor war jedoch spritzig und er zog das relativ leichte Fahrwerk gut.

Und dann Vesta
Schon beim ersten Blick fällt auf: Das Auto sieht gut aus. Und das nicht nur mit Schiguli-Nostalgie. Es ist ein westeuropäisches Design. Kein Wunder. Das Auto entstand komplett in der Renault-Ära. Und der Designer Steve Mattin arbeitete auch bei Volvo.

Von vorne will er nicht aggressiv wirken, aber das dominante X-Design der geschwungenen Scheinwerfer, des Kühlergrills und des Bereichs um die Nebelscheinwerfer gefällt. Die Nebelscheinwerfer und der kleine Chrom-Schnurrbart sind mein persönlicher Favorit, ein sehr raffiniertes Detail. Auch der LADA-Schriftzug oben auf dem Scheinwerfer ist eine Delikatesse.


Von der Seite wirkt das Auto recht hoch, aber nicht lässig. Die konkaven Wölbungen an Kotflügeln und Türen wirken etwas aufdringlich, aber nicht zu sehr. Die Leichtmetallfelgen sind nicht besonders schick, aber das ist ja auch kein Maserati.

Besonders gelungen ist das Heck. Der flache Kofferraum und die schräge Heckscheibe wirken sehr schön und verleihen dem Vesta eine sehr sportliche Optik. Auch die ebenfalls feststehenden Rückleuchten wirken stimmig. Ob der große LADA-Schriftzug oder ein schönes Logo besser ausgesehen hätte, sei jedem selbst überlassen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Marke Lada in Westeuropa nicht sehr bekannt ist.
Setzen wir uns.
Beim Einsteigen riecht man frischen Kunststoff. Es ist ein vertrauter Geruch. In den ersten Wochen ist er auch bei günstigeren westlichen Autos üblich. Dieser Vesta hat erst 231 km drauf. Ich denke, er wird auslüften. Erste positive Erfahrung: Ich kann den Sitz sehr schnell in eine bequeme Position bringen. Lordosenstütze und Seitenhalt sind super. Die Materialwahl des Armaturenbretts ist typisch für die Budget-Kategorie, hart und knarrend. Aber es sieht gut aus und spiegelt nicht in der Windschutzscheibe.

Das Lenkrad liegt bei 10:10 gut in der Hand, weiter oben ist das Material allerdings anders, da schwitzen die Handflächen schnell. Apropos Lenkrad. Man könnte Multilenkrad sagen. Auf der rechten Seite regelt man die Lautstärke der Musik oder des Telefons und wechselt zwischen Navi, CD, Radio und Telefon. Auf der linken Seite lässt sich der Tempomat einstellen!!!

Reichhaltige Ausstattung
Ich möchte hier anmerken, dass es sich bei dem konkreten Beispiel um einen Vesta mit LUX-Ausstattung handelt, dessen Listenpreis 3.899.000 HUF beträgt. Er verfügt über eine digitale Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, eine elektrische Servolenkung, einen Regensensor, Sitzheizung, Navigationssystem, Front- und Seitenairbags, eine Rückfahrkamera und einen Überrollschutz, um nur die aufregenderen Extras zu nennen. Das ist nicht schlecht für einen Lada. Aber es wäre auch nicht schlecht für einen Fiat oder Citroen.
Das Kombiinstrument ist recht schlicht gehalten, erfüllt aber seinen Zweck. Das zentrale Infotainment wird über den rechten Kippschalter gesteuert und zeigt unter anderem den aktuellen und durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch an. Der zentrale Touchscreen funktioniert überraschend gut und ist auch bei Sonnenschein gut ablesbar. Auch die Navigation ist einfach zu bedienen. Die Freisprecheinrichtung des Smartphones konnte ich schnell mit meinem Handy koppeln, allerdings konnte ich am anderen Ende aus irgendeinem Grund nicht gehört werden. Möglicherweise lag es aber auch nur an einem Konfigurationsproblem.
Auch die digitale Klimaanlage funktioniert gut und kühlt den Innenraum sehr schnell ab. Die Bedienelemente sind zwar nicht besonders ansprechend, erfüllen aber ihren Zweck. Der Schalthebel liegt gut in der Hand, klemmt aber manchmal beim Schalten. Wahrscheinlich wird er sich etwas abnutzen. Der Ellenbogen für den Fahrer ist eine nette Geste, aber man kann damit nicht den Sicherheitsgurt anlegen. Das Einstellen der Außenspiegel ist eine coole Sache, aber die Fensterheberschalter haben mir beim Herunterdrücken in den Finger geschnitten. Außerdem fehlt das Komfortmodul. Man muss den Schalter also ganz gedrückt halten.
Leider sind die Lüftungsgitter nicht sehr breit, Fächer sind aber ausreichend vorhanden. Das Handschuhfach ist so groß, dass sogar kleine Tiere darin Platz finden. Die Zwei-Liter-PET-Flasche hat es so sehr verschluckt, dass wir sie kaum noch finden konnten.
Auch das Design und die Griffigkeit der Griffe sind gut. Was weder ich noch meine Kollegen verstanden, war, warum der braune, rissig gemusterte Kunststoffeinsatz nötig war? Sah das Innere zu gut aus? Egal.
Vorne und hinten wäre reichlich Platz, wenn die Dachlinie nicht etwas abfallend wäre. Mit 193 cm muss ich mich dem Designerwillen hinten beugen. Auch der Kofferraum ist riesig und gut zu beladen. Die Türscharniere hängen etwas in den Raum hinein. Das ist meist eleganter gelöst.
Lass uns gehen.
Angetrieben wird dieses Auto – wie alle Vestas – von einem 1,6-Liter-Benzin-Saugmotor. 105 PS und 148 Nm sind zwar keine Glanzwerte, reichen im Normalbetrieb aber für alles.

Der Motor des Granta wurde noch etwas verfeinert. Getriebe und Fahrwerk stammen von Renault. Die Gänge sind nicht zu lang, man kann schnell hochschalten und beim Hochdrehen erwacht er bei etwa 3500 U/min zum Leben. Dazu gesellt sich ein angenehmes Ansauggeräusch, das sich auch fürs Audio-Tuning eignet. Dadurch fühlt sich der Vesta maskuliner an. Ich habe den Lada auch auf den kurvenreichen Straßen von Pilis ausprobiert und zu zweit, ohne Klimaanlage, war es eine wahre Freude. Sobald die Klimaanlage eingeschaltet wurde, verflog die Begeisterung.
Das Auto ist sehr hoch. Die Bodenfreiheit beträgt 17 cm. Daher machen uns Bordsteine oder ungarische Straßenschäden nicht viel aus. Da ich das wusste, traute ich mich zunächst nicht, eine schärfere Kurve zu nehmen. Dann habe ich es aber doch versucht und war angenehm enttäuscht. Die Federung ist recht komfortabel, aber auch straff, sodass es zu keinen gefährlichen Überschlägen kam und wir die Kurve einfach sanft nahmen. Natürlich wird der Käufer des Vesta nicht jeden Tag zu zweit die Serpentinen der Berge fahren, aber er war trotzdem gut.
Der Verbrauch liegt in der Stadt bei rund 8,5 Litern, auf der Autobahn bei rund 7 Litern pro 100 km. Zurück zur Klimaanlage: Sie kühlt das Auto sehr schnell ab und auch die Heizung kommt gut an. Schließlich ist es ein russisches Auto.
Wissenswert ist außerdem, dass der Vesta sowohl aufgrund seines Radstands, seiner Kofferraumgröße als auch seiner Qualität für den Taxibetrieb in Ungarn geeignet ist.
Interessant ist auch, wie sehr der Vesta bei den Tunern Anklang findet. Das zeigt auch, dass seine Proportionen stimmen.


Abonnieren Autosajto.hu zu Ihrem Newsletter



